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Das große Forums-Interview mit China Miéville (Januar 2007)
Im Oktober 2006 hatten wir die Möglichkeit, Fragen innerhalb des Forums zu posten, die gesammelt und dann an China gesandt wurden.Weil er viel zu tun hatte, kam er erst im Januar 2007 dazu die Fragen zu beantworten.
Herausgekommen, ist ein sehr detailliertes und erhellendes Interview, dass Ihr nun hier finden könnt. Oben findet Ihr die deutsche Übersetzung und weiter unten das englische Original.
Seblon fragt:
Fragen zu »König Ratte«:
01—Wir haben wirklich recht intensiv über KING RAT im Forum diskutiert und dabei kamen folgende Fragen auf: die Hauptcharaktere in KING RAT erinnern doch sehr stark an archetypische Comic-Superhelden, wie Spiderman bzw. Batman erinnern. Hast Du angestrebt, mit dem Roman den Werdegang eines Superhelden zu schildern?
China: Nicht absichtlich, obwohl viele auf die ›superheldenhaften‹ Aspekte hingewiesen haben. Mir lag mehr an Märchen als Superhelden, zumindest soweit mir bewusst ist.
02—Der Roman ist zu einer Hochzeit des Drum&Bass entstanden, heute determiniert ihn dies historisch etwas. Würdest Du heute für den Roman erneut Drum&Bass als musikalisches Thema verwenden?
China: Diese Frage lässt sich unmöglich beantworten, weil ich heute den Roman nicht mehr schreiben würde – der Roman ist untrennbar mit der Zeit seines Entstehens verbunden. Diese Frage beruht auf der Annahme, dass die Drum&Bass-Elemente eine Art Dreingabe zu dem Buch waren, wobei das Buch ein Kind seiner Zeit ist. Ich stimme jedoch zu, dass dies bedeutet, dass das Buch jetzt überholt wirkt, aber das macht mir nichts aus, da es so sehr mit der damaligen Zeit verbunden ist.
03—Wie kann eine Ratte ein Menschenkind gebären? Wie konnte Sauls Vater ein Kind mit einer Ratte zeugen? Warum wird dies innerhalb des Romans weder angesprochen noch weiter erklärt? Wie können die Hauptfiguren sowohl Mensch (für die Menschen), wie auch Tier (für die jeweiligen Tiere) sein? Ist der Surrealismus innerhalb des Romans konzipiert oder während des Schreibens entstanden?
China: Auf diese Angelegenheiten geht der Roman nicht ein, weil sie nicht von Bedeutung sind. Ich habe kein Problem damit zu sagen, dass diese Wesen Tiergeister sind, die aber für Menschen im Allgemeinen in menschlicher Form erscheinen. Wieso? Weil es so ist. Ich kann verstehen, dass einige Leser das frustriert, aber für mich ist das Teil dessen, was das Buch mit der Tradition des Märchens verbindet. Für mich ist das nicht einmal besonders ›surreal‹, sondern nur eine Frage unterschiedlicher Wahrnehmung. Ich wollte mich nicht verzetteln, indem ich alles erkläre – manchmal bekommt eine Geschichte ein gewisses Flair, indem man Einzelheiten nicht erklärt. Meine Antwort auf die Frage ›Wie genau ist das geschehen?‹ wäre also: ›So halt‹.
Fragen zu »Perdido Street Station«:
04—War dir zu Beginn der Arbeit an PSS bereits bewusst, was aus Lin, aber auch aus Yagharek werden würde, oder warst Du selbst ein Stück weit überrascht darüber, in welche Richtung sich die Story entwickelt?
China: Soweit ich mich erinnern kann – und vergesst nicht, dass es schon eine ganze Weile her ist – hatte ich ziemlich genau vorausgeplant, wie sich alles entwickeln würde. Im Großen und Ganzen konzipiere ich meine Bücher sehr detailliert.
05—Innerhalb des Forums wurde intensiv über die Hintergründe der Crisis-Energie diskutiert. War sie dir eher Mittel zum Zweck (Techno-Bubble) oder steckt dahinter der Versuch einer tieferen Metaphorik? Wenn ja, ist die Crisis-Energie eher ein Zustand als eine messbare Energie oder geht es auf einer metaphorischen Ebene um die Vereinigung von scheinbaren Gegensätzlichkeiten innerhalb eines dialektischen Prozesses? Ist das Miteinander des Ying und Yang der Energielieferant?
China: Ja {smily}.
Der springende Punkt ist, wie so oft bei phantastischer Literatur, dass es eine wortwörtlich zu nehmende erfundene Wissenschaft und zugleich etwas Metaphorisches ist. Ich war daran interessiert, im übertragenen Sinne so etwas wie einen dialektischen Prozess buchstabengetreu umzusetzen (und deshalb sehe ich es nicht als Ying und Yang, die so wie ich das verstehe eher mit Balance und weniger mit Krise zu tun haben). Es ist also eine Art über dialektische Energie nachzudenken, was aber nicht heißt, dass es ›wirklich‹ eine Metapher ist – es ist sowohl eine metaphorisch und zugleich, in der Welt Bas-Lag, buchstäblich wahr.
06—Hast Du New Crobuzon auf Basis von gezeichneten Karten entwickelt oder umgekehrt?
China: Erst die Karten, dann die Geschichten.
07—Wer wäre Dein Favorit als Regisseur für einen möglichen PSS-Films?
China: Ich habe keine Ahnung. Cronenberg vielleicht? Vielleicht Svankmajer? Möglicherweise del Toro? Oder vielleicht jemand bisher völlig Unbekanntes?
08—Würdest Du Dir eher einen Realfilm oder einen kompletten CGI-Film wünschen?
China: Auf gar keinen Fall. CGI mag ich überhaupt nicht, weil es bereits auf widerliche Weise zu viel Verwendung findet und häufig schrottig aussieht – wie Plastik wirkt, gewichtslos und billig. Ich habe nichts dagegen, wenn man CGI zum Optimieren und säubern der groben Kanten nutzt, aber ihre übermäßige Verwendung geht mir ganz schön heftig auf die Nerven.
Fragen zu »Die Narbe«/»Der Leviathan«:
09—Was lässt Bellis so besessen davon sein, zurück nach New Crobuzon zu wollen, sie ist der Stadt doch gerade entkommen?
Wie erklärt sich ihre unglaubliche Passivität angesichts so vieler Krisen? Was hat sie so kühl und distanziert werden lassen? Warum erfahren wir so wenig von ihrem Innenleben?
China: Sie will zurück nach NC, weil sie die Stadt liebt. Sie war gezwungen von dort zu fliehen, was aber nicht heißt, dass sie das auch wollte. Sie ist ein Geschöpf der Stadt.
Und nein, ich fürchte ich kann nicht erklären, warum sie so ist, wie sie nun mal ist (obwohl ich anmerken will, dass ich sie nicht für ›passiv‹ sondern für ›zurückhaltend‹ halte). In der wirklichen Welt gibt es viele Leute, deren Charakter auf gewisse Art nicht ganz durchschaubar ist – und es gibt keinen Grund, warum das nicht auch bei Figuren in einer Fiktion gelten sollte. Meine Aufgabe ist es, eine ausgedachte Figur zu beschreiben, nicht sie zu psychologisieren. Wenn sie für die Leser unglaubwürdig wirkt, habe ich freilich meine Aufgabe nicht gut erfüllt und dafür kann ich mich nur entschuldigen, aber das Buch versucht, Bellis realistisch darzustellen, wenn auch vielleicht als eine etwas mysteriöse Person. Du hast Recht, dass man nicht so viel über ihre Beweggründe erfährt … doch wenn ich dem Leser Bellis Motivationen hätte schildern wollen, hätte ich das natürlich getan! Ich werde also jetzt nicht damit anfangen …
Es tut mir leid, wenn das nun ärgerlich ist. Alles, was ich dem Leser mitteilen wollte, lässt im Buch zu finden.
Fragen zu »Der Eiserne Rat«:
10—Gerade als schwuler Mann freue ich mich immer sehr über die seltenen Momente innerhalb der Phantastik, wo homosexuelle Charaktere auftauchen. Bei IC habe ich mich allerdings gefragt, welche Relevanz Cutters Homosexualität überhaupt für die Story hatte. Was war Deine Motivation, Cutter als schwulen Mann auftauchen zu lassen?
China: Ich halte es für eine Schande, dass die Homosexualität von Charakteren immer gleich zum Thema wird, um das sich ein Buch dreht. Ich wollte, dass »Der Eiserne Rat« eine Liebesgeschichte ist, doch in meiner Vorstellungen zeichneten die Liebenden sich beide als männlich ab, was bedeutete, dass wenn die sich lieben, sie eben schwul sein müssten. Das war die Reihenfolge, in der sich das entwickelt hat, und nicht, indem ich entschieden habe, schwule Charaktere haben zu wollen. Als mir klar wurde, dass diese Figuren schwul sein würden, konnte ich natürlich nicht so tun, als ob das in dieser Welt ohne weitere Folgen bliebe, aber ich hatte nie vor, daraus es eine Geschichte ›über‹ Homosexualität zu machen. Zwei schwule Charaktere kommen vor, das ist alles. Oder um genauer zu sein: eine Figur ist schwul, und die andere ist ein irgendwie abstrakt-polysexueller Typ.
11—Im Gegensatz zu PSS ist die Metaphorik innerhalb von IC nicht zu übersehen. Wolltest Du ganz bewusst die Phantastik politisieren? Wir haben im Forum darüber diskutiert, inwieweit die politische Metaphorik auf Kosten der Psychologie der Figuren geht.
China: Es entsprach ganz meinem Vorhaben, dass es ein absichtlich politischer Fantasyroman sein soll. Dennoch sollten die Figuren psychologisch ebenso überzeugend sein, wie im wahrsten Sinne des Wortes ihre Welt. Doch ja, das Politische stand im Mittelpunkt.
12—Liest man IC hat man den Eindruck eines desillusionierten Brecht auf LSD.
China: Das ist vielleicht die beste Umschreibung, die ich je gehört habe!
13—Die politisch-metaphorische Ebene schafft einen enormen fast brechtschen Verfremdungseffekt. Wie bewusst war dies von Dir angelegt?
China: Mit der Distanzierung mittels Verfremdungseffekt wollte ich es nicht soweit treiben, dass die Welt unglaubwürdig wird, aber die Brechtsche Technik hat mich interessiert, weshalb auch das Flexible Puppentheater diese Techniken anwendet. Ich schätze mal, dass es weniger Brecht als vielmehr "Meta-Brechtisch" ist.
14—Siehst Du die Gefangenheit des eisernen Rates innerhalb des Zeitgolems als Metapher für den heutigen Zustand sozialistischer Ideen? Wenn ja, warum?
China: Die Idee war nicht, den Sozialismus als ein Monument darzustellen, sondern ihn vielmehr als eine Art Hoffnung, als etwas das ›allzeit immer schon da‹ ist, als etwas ständig im Alltag eingebettetes.
Weitere Fragen:
15—Wie arbeitest Du? Wie viele Stunden am Tag schreibst Du? Musst Du Dich selbst dazu disziplinieren, um Dich zum schreiben hinzusetzten? Benutzt Du einen Computer oder einen Laptop?
China: Ich benutze einen Mac-Laptop. An den Tagen wenn ich schreibe – und das ist nicht jeden Tag, denn das klappt so nicht immer – dann schreibe ich mehrere Stunden durch. Oftmals stehe ich früh auf und schreibe zwölf Stunden und länger am Stück durch, und das für einige Wochen. Dann schreibe ich einige Tage gar nicht und erledige andere Dinge. Es ist also ein sehr intensiver Vorgang, wenn auch ein sehr uneinheitlicher.
16—In wie viele Sprachen wurden Deine Bücher bisher übersetzt?
China: Kann ich mich nicht erinnern (ich bin so dumm, was solche Sachen betrifft). Aber schon so einige.
17—Welche deutschen Autoren schätzt Du und warum gerade diese?
China: Deutsch kann ich nicht lesen, also bin ich auf Übersetzung angewiesen. Walter Moers gefällt mir wirklich gut, wegen seiner Vorstellungskraft und der Art und weise, wie seine Zeichnungen mit dem Text zusammenspielen. Ich mag auch Günther Grass, auch wenn es schon einige Jahre her ist, dass ich etwas von ihm gelesen habe.
18—Warst Du schon mal in Deutschland? Wie sieht's mit der Frankfurter Buchmesse aus?
China: Leider nicht, auch wenn ich es gerne würde.
19—Viele erleben die heutige Zeit als eine sehr unsichere, fast gefährliche. Viele sprechen vom Clash der Kulturen, wo religiös-fundamentalistische Traditionalisten einem säkularisierten, individualistischen Westen gegenüberstehen. Einem Westen, der so saturiert scheint, dass er kaum noch Werte außer dem Geld kennt und sich deshalb umso unsicherer gegenüber den Fundamentalisten gebärdet. Was ist Deine Meinung dazu? Inwieweit werden sich solche Themen in Deinen nächsten Werken widerspiegeln? Hältst Du religiöse Überzeugungen für besonders schützenswert? Wenn ja, warum?
China: Ich denke, die Idee, der Westen sei ›aufgeklärt‹ ist derzeit wenig überzeugend, und das ›Sekuläre‹ ziemlich fragwürdig. Den Massenmord, den der Westen angerichtet hat, bleibt meiner Meinung nach Massenmord, etwas zutiefst ›Unaufgeklärtes‹, gerechtfertig durch Rassismus und kulturelle Vorherrschaft, egal wie sehr man behauptet, dass es um die Verbreitung von ›Zivilisiertheit‹ geht.
Ich glaube nicht, dass religiöse Glaubensvorstellungen besser als andere Meinungen in Schutz genommen werden sollten, aber ich denke auch, dass wir uns über die Art und Wiese klar sein sollten, wie Rassismus manchmal sowohl Religiosität wie auch Ethnie als etwas Verachtenswertes definiert und wie dementsprechend die Angriffe gegen ›Religion‹ von der Zeit und der angegriffenen Religion abhängen und so manchmal Teil eines bestimmten rassistischen Angriffes sind. In den 30ger Jahren des letzten Jahrhunderts verbreitete der Antisemitismus alle möglichen Vorwürfe über das Übel des jüdischen Glaubens – das war nicht nur eine abstrakte Kritik an der Religion, es war Teil einer Herabwürdigungskampagne. Ich glaube, wir können im Augenblick beobachten, wie man das mit dem Islam macht. Das soll natürlich nicht heißen, dass man Elementen der islamischen Glaubenslehre ›zustimmt‹ (obwohl, wie bei allen Religionen, die Mehrzahl der religiösen Verordnungen innerhalb der Glaubensgemeinschaft diskutiert werden), sondern bedeutet, dass man der Dämonisierung des Islams – oder anderer Gruppen – nicht zustimmt.
Zudem bin ich der Ansicht, dass die Vorstellung von Personen wie (Richard) Dawkins, Religiosität sei so etwas wie ein ›intellektueller Fehler‹ doch ziemlich engstirnig ist. Meiner Meinung nach ist Religion genauso ein soziales und politisches Phänomen, wie ein emotionales, und somit der Vorwurf, dass es sich dabei um etwas ›intellektuell Falsches‹ handelt, einen nirgendwo hinführt. Deshalb können all die Behauptungen, wie lächerlich der Kreationismus ist, nicht erklären, warum nicht-dumme Personen (und nicht alle Fundamentalisten sind dumm) an den Kreationismus glauben. Um dies zu verstehen, benötigt man ein politisches Verständnis von Religion.
20—Derzeit wird viel über den demnächst produzierten Film DETAILS diskutiert. Inwieweit hattest Du bei dem Drehbuch Mitspracherecht. Wie viel Ähnlichkeit hat das Drehbuch noch mit Deiner Kurzgeschichte? Stehen noch weitere Filmprojekte auf Basis einer Deiner Geschichten an?
China: Ich kann meine Meinung zum Drehbuch äußern, aber ich habe nicht das letzte Wort. Über »König Ratte« wird verhandelt und hoffe auf das Beste. Was ansonsten alles weitere angeht, wird darüber debattiert, aber festgelegt ist bisher kaum etwas. Ich rede nicht gern im Einzelnen über diese Angelegenheiten, da dies eine Welt der Gerüchte und Gegengerüchte, Ergebnisse und Nicht-Ergebnisse ist! Ich werde zu diesen Dingen also meinen Mund halten, bis sich endgültig erweist, was geschieht oder nicht geschieht.
Fragen von Molosovsky:
21— Ich liebe Sprach- und Klangspiele, deshalb mag ich sehr, wie Du das Mittel gezielter ›Kulturschocks‹ einsetzt, damit die Leser sich nicht ZU wohl fühlen und eingelullt werden. Sprachlich machst Du das z.B. mit Neologismen und ungewohnten Fremdwörtern. Es war für mich als deutschsprachiger Leser immer ein großer Spaß, wenn Wörter wie ›blitzbaum‹, ›luftgeist‹ oder ›inselberg‹ aus dem englischen Text herausragten. Am häufigsten verwendest Du in den Bas-Lag-Romanen den deutschen Bergiff ›ersatz‹. FRAGE: Kannst Du uns etwas über die deutschsprachigen Exotenwörter erzählen?
China: Dazu kann ich nicht wirklich viel sagen! Neologismen mag ich einfach und nutze verschiedene Sprachen um welche zu kreieren, bis ich einen hab, den ich für stimmig halte. Ich würde gern Deutsch sprechen können (und ich habe vor es zu lernen, wenn ich Zeit dafür finde), denn ich liebe ihren Klang, und für die von Dir erwähnten Wörter wie ›Luftgeist‹ habe ich mich wegen ihres Wohlklangs entschieden. Übrigens ist ›Ersatz‹ ein deutsches Wort dass wir im Englischen nutzen. Wie so viele unserer Vokabeln haben wir es frohgemut geklaut.
Ich habe englisch-polnische, -griechische, -lateinische, -deutsche, -französische Wörterbücher und klaue hie und da Vokabeln, um genau den Kulturschock zu schaffen, den Du beschreibst.
22—In allen drei Bas-Lag-Büchern finden in den letzten Kapiteln große Umwälzungen statt. Auf eine gewisse Art folgst Du dabei einer
guten alten Tradition der Subversion, indem Du den Leser auf eine falsche Fährte lockst. Im Finale kommt es dann zu überraschenden
Entwicklungen der Perspektive, des Themas oder zu einer unerwarteten Entwicklung der Geschehnisse. — Gehörten diese ›synkopischen‹ Wendungen zu den ersten konzeptionellen Dingen, als Du die ›Anti-Trilogie‹ entworfen hast? Kannst Du uns etwas über diesen Teil Deiner Arbeit erzählen, oder ist da zu spoiler-gefährdetes Gebiet?
China: Um ehrlich zu sein, habe ich diese Wendepunkte so nicht im Voraus festgelegt, denn ich beginne mit der Szenerie und einer Reihe von Schlüsselszenen und entwickle die Einzelheiten des Handlungsablaufs erst zum Schluss. Ich beabsichtige diese plötzlichen Wendungen als solche nicht von Anfang an, aber ich komme von einer Pulp-Tradition für die solche Drehungen und Wendungen typische Beispiele sind.
23—LONDON: Was ist das schönste/schlimmste daran in London zu leben, ein Londoner zu sein? Zum Beispiel: Bis Du manchmal darauf stolz oder deswegen beschämt, fühlst Dich vom Glück gesegnet oder verflucht deswegen?
China: Vor allem mag ich an London, dass die Stadt ein Fleckenteppich ist – aus allen möglichen Dingen, Architekturen, Kulturen, politischen Richtungen usw. Anders als z.B. Paris, wird London nicht vom Triumph einer bestimmten Ästhetik geprägt, sondern ist ein Chaos, und das liebe ich. Ich weder stolz noch beschämt – Ich hab’ die Stadt ja nicht gemacht! Aber glücklich bin ich schon.
24—SACHLITERATUR: »Between Equal Rights« war eine schwere aber spannende Lektüre für mich. Hast Du vor, weitere Sachbucher zu veröffentlichen?
China: Auf jeden Fall. Ich habe mehrere Ideen, denen ich mich widmen will, davon zweien im Besonderen. Aber es ist eine Frage der Zeit. Wie auch immer, wird da noch mehr entstehen. Ich freue mich, dass Dir das Buch gefallen hat, dass übrigens mehr Leute gelesen zu haben scheinen, als ich mir vorgestellt habe.
25—EMPFEHLUNGEN / INSPIRIRENDE BEISPIELE:
Im Seminar von ›Crooked Timber‹ und im Interview mit Lou Anders für ›The Believer‹ sprichst Du von dem ›Heiligen Gral der Fiktionen‹. ZITAT: »Mein Ziel wäre also, genau diesen reißerischen Garn zu spinnen der gesellschaftlich ernsthaft und stilistisch avantgardistisch ist. Meiner Meinung nach, ist das doch der Heilige Gral.« ZITATENDE.
Schon mal ein Hurrah darauf. — Fans sind immer gespannt auf Empfehlungen, die ihr Maestro gibt. (Nebenbei: Danke für die Liste der »50 F & SF-Bucher die ein Sozialist lesen sollte« Sehr anregend! Cooles Zeug!).
Kannst Du uns bitte je drei Empfehlungen zu jedem Wert geben:
a) reißerisches Garn;
China: Hmmmm. OK, Walter Moers »Die 13 1/2 leben des Käpt’n Blaubär«.
b) gesellschaftlicher Ernst;
China: »Herz der Dunkelheit«, {Josph} Conrad.
c) avantgardistischer Stil.
China: »Cyclonopedia« von Reza Negarestani (noch nicht erschienen, wird aber bald veröffentlicht).
Und da Du selbst ein Sachbachautor bist, kannst Du uns
d) drei Sachbücher sagen, die Dir am Herzen liegen?
China: »Against Postmodernism« von Alex Callinicos. (liegt nicht auf Deutsch vor).
»From Apology to Utopia« von Martti Koskenniemi (dito).
»Allgemeine Rechtslehre und Marxismus« von Eugen Paschukanis.
26—DIE SACHE MIT DEN SCHWULEN / SEX / LIEBE: Wir haben hier eine Diskussion über Cutter und Judah, ›die Liebenden‹ in DER EISERNE RAT. Rutger/Seblon fragt sich, welche Gründe Dich bewogen haben ein homosexuelles Pärchen zu thematisieren; für mich (Molo) erscheint es dagegen äußerst sinnfällig, wie Du die dyadischen Spannungen ineinander blendest, die es jeweils im Verhältnis zwischen ›dem Meister und dem Schüler‹ und ›dem Liebenden und dem Geliebten‹ gibt. Ich verstand das als ein sinniges Anklingenlassen der Unterschiede zwischen ›körperlicher Liebe‹ und ›platonischer Liebe‹. — Magst/kannst Du dazu einen hilfreichen Kommentar geben?
China: Ach du liebes bisschen. Ich weiß nicht - Ich bin nicht ganz sicher, ob ich das richtig verstehe, aber wenn, dann hast Du insoweit recht, dass die Tragik darauf beruht, das Cutter Judah liebt und Judah Cutter liebt, aber jeweils auf sehr unterschiedliche Art. Cutter liebt leidenschaftlich, emotionell und sexuell. Judah ist zu vergeistigt, zu messianisch um Cutter irgendwie "konkreter" zu lieben. Es ist nicht unbedingt platonisch, aber doch abstrakter.
27—WAS AUSEINANDERFIZZELN / SICH REINKIPPEN LASSEN:
Da Du Neal Stephenson lobst, hoffe ich, dass es Dir nichts ausmachst, wenn ich ein Zitat von ihm hernehme, um daraus eine Frage zu machen. In einem Essay über STAR WARS verweist Stephenson auf den Unterschied zwischen ›etwas bis ins kleinste Detail (verbal) auseinandernehmen‹ (= ›geeking out‹) und ›sich in etwas reinkippen lassen‹ (= ›vegging out‹).
ZITAT: Mit ›To geek out‹ wird bezeichnet, wenn man sich in einem Ausmaß mit den Details einer Sache auseinandersetzt, das schon nicht mehr normal ist, und dass man die hellste Freude dabei hat. Im Gegensatz dazu heißt man ›To veg out‹, wenn man einen passiven Zustand einnimmt, und zuläßt, daß Klänge und Bilder einen überströmen, ohne sich all zuviel Gedanken über die Bedeutung zu machen. ZITATENDE Quelle: »Now we take the Jedi geeks offline« in Harald Tribune, 18. Juni 2005.
Das klingt wie eine zeitgenössische Neuformulierung de klassisch-antiken Unterscheidung zwischen einer ›homöopathischen‹ und einer ›allotopischen‹ Katharsis. Wie man diese gegensätzlichen ›Geschmacksrichtungen‹ auch benennen mag: für uns Fans ist klar, dass Deine Geschichten wunderbar beide Haltungen ansprechen. — Also, was ist für Dich (als Person / als Künstler / als Aktivist, falls es da Unterschiede gibt) befriedigender oder bereitet mehr Freude: Wenn das Publikum Deine Werke auseinander nimmt, oder wenn das Publikum sich reinkippen lässt?
China: Heiliges Kanonenrohr. Was für eine erstaunliche Frage. Im Großen und Ganzen neige ich wohl dazu, mich eher auf’s auseinanderfizzeln einzustellen, denn auf’s reinkippenlassen. Obwohl ich ganz bestimmt nichts dagegen habe, ab und zu ein bisschen in Sachen reinzukippen, aber ich mag es befremdet, ein wenig geschockt und aus dem Lot gebracht zu werden, was wohl dazu führt, dass man sich auf eine feine Art etwas unwohl fühlt, wohingegen Reinkippenlassen wahrscheinlich eher eine Bejahung des Sichwohlfühlens ist. Auch schön! Aber ich bevorzuge das erstere.
Fragen von Theophagos:
28—Das unvermeidliche New Weird: Die Diskussion liegt drei Jahre zurück. Würdest du im Rückblick sagen, dass die Diskussion Licht ins Dunkel gebracht hat? Wie beurteilst du den gegenwärtigen Stand? Du schreibst gerade an einer 'reinen' SF-Story. Wirst du wieder New Weird schreiben oder ist der Moment passé?
China: Ich habe schon mal öffentlich versprochen mich nicht mehr über New Weird auszulassen, weil ich mir wie eine Selbstparodie vorgekommen bin. Wenn ich diese Frage nun beantworte, würde ich mich zum Lügner machen! Ich will kein Lügner sein und hoffe also, dass Du mir verzeihst. Niemals werde oder würde ich mich auf der Grundlage, ob etwas ›New Weird‹ ist oder auch nicht, dazu entschließen etwas zu schreiben, ist alles, was ich dazu sagen werde. Ich schreibe was ich will, dann denke ich darüber nach und überlege mir, wie man es später beschreiben kann.
29—Dein neuer Roman: Der Titel deiner Doktorarbeit lautet "Between Equal Rights: A Marxist Theory Of International Law" und vor kurzem wurde dein Artikel "What’s the point of international law?" veröffentlicht. Es scheint, als ob dieses Thema dich beschäftigt. Jetzt schreibst du eine Geschichte, in der Menschen auf Außerirdische treffen. Wirst du darin Grundlagen des Internationalen Rechts reflektieren? Wirst du da das Rechts-/Herrschaftssystem der Außerirdischen thematisieren? Wenn ja, werden deren Systeme sich an historische orientieren oder willst du davon abweichen?
China: Jura interessiert mich hauptsächlich deshalb, weil es etwas virales ist und es die zugrunde liegenden gesellschaftlichen Dynamiken widerspiegelt, was die Angelegenheit für mich gleich noch mal reizvoller macht. Eine Menge meiner Fiktionen beschäftigen sich mit solche unterschwelligen Dynamiken, die sich in Gesetzen reflektieren oder auch nicht. Du siehst, wie ich der Frage zum neuen Romans ausweiche und leider nichts Genaueres dazu sagen werde, weil ich nun mal nicht gerne über im Werden befindliche Arbeit rede.
30—Bloß aus Neugierde: Wer ist Yaghareks Großvater – Wischnu oder Borges?
China: Das Dungeons & Dragons Monsterhandbuch.
31—Die ungeliebt Postmoderne: Im Zuge der Diskussion um New Weird hast du dich deutlich von postmodernen Erzähltechniken distanziert. Glaubst du, dass diese Erzähltechniken generell inferior sind? Gilt dieses nur für Fantasy oder gar nur für New Weird?
China: Gegen postmoderne Techniken hege ich an sich keine wesentlichen Einwände, und ich habe selber ja bestimmte ›metafiktionelle‹ Methoden angewendet. Ich liebe Borges, ich liebe »Tristram Shandy« usw. Ich bin also nicht gegen diese Techniken. Ich denke nur, dass ihre Radikalität mittlerweile übertrieben wird, und dass die Ansicht, der zufolge selbstreflexiven Fiktionen ›Raffinesse‹ und ›Avantgarde-haftigkeit‹ innewohnt zu engstirnig ist. Wenn man sich z.B. die ziemlich müde Wiederholung solch metafiktioneller ›Ironie‹ in den neueren Büchern von Paul Auster ansieht, merkt man, wie diese Techniken sich selbst ausschlachten und verzehren. Für mich liegt das Problem darin, dass diese Techniken selbst zu Klischees geworden sind, die sich selbst aber immer noch für wirklich radikal halten. Chaucer hat sie schon angewandt! Also nein, ich halte diese Techniken an sich im Bezug auf Genre nicht für minderwertig, für an sich besser aber auch nicht, und ich finde sie in ihren einfachsten, gröbsten Wiederholungen ausgesprochen uninteressant.
32—Eine ganz einfache Frage: Was liest du zurzeit? Warum hast du dich dazu entschieden?
China: »Der Amphibienmensch« von Alexander Beljajew, weil ich mich für russische SF interessiere.
33—Welche Frage hätte gestellt werden sollen, wurde es aber nicht (und was ist die Antwort darauf)?
China: »Mit welchem Medium hast Du noch nicht gearbeitet, würdest es aber gerne mal tun?«
Antwort: Ich würde sehr gerne mal Videospiele kreieren. Natürlich meine ich nicht das Programmieren des Codes, sondern das Schreiben und Entwerfen der Spielarchitektur für Handlung und Weltenbau.
übersetzt von molosovsky und Seblon
Unser Dank geht an China Miéville für die Arbeit, die er sich gemacht hat, unsere Fragen zu beantworten.
Das Interview im englischen Original:
Questions of Seblon:
Questions about KING RAT:
We talked inside the forum a lot about KING RAT and there are some questions about it:
The main characters in KING RAT remind us of classical comic superheros, like Spiderman or Batman. Did you try to create a novel about the genesis of a superhero?
China: Not consciously, though many people have pointed out the 'superheroic' elements. I was more interested in fairy-tales than superheroes, at least at a conscious level.
The novel was written in a time where Drum&Bass was on its zenith, which lets the story become a bit historical determinate today. If you would write the novel today would you use Drum&Bass as a central theme again?
China: That's an impossible question to answer because I wouldn't want to write the novel today - the novel was inextricably part of its time. This question presumes that the D&B elements were sort of an add-in to the book, whereas the book was a product of that time. I agree though that that means it has dated now, but I don't mind that, as it's so much to do with its time.
How is it possible that a rat gives a birth to human child? How could Sauls dad fathers a child with a rat? How is it possible that the main characters like King Rat, Anansi or Loplop are humans for the humans and animals for the animals? Why aren’t these issues broached within the novel?
Was the surrealism of novel conceived or developed during the process of writing?
China: These issues aren't dealt with in the novel because they're not relevant. I have no problem at all with saying that these are the animal spirits, but that for humans they will generally appear human. Why? Because that's how it is. I understand that some people might find that frustrating, but to me that's part of what puts the book in the lineage of a fairytale. I don't even particularly consider this 'surreal', it's just a question of differential perception. I don't want to get bogged down with explaining everything - sometimes not explaining is what gives a particular flavour to a story. So, in answer to the questions 'how does that happen?', my answer would be 'Like that.'
Questions about PSS:
At the beginning of the work on PSS did you know very precisely in which direction Lin and Yagharek would develop or did they and the storyline surprise you in some manner?
China: As far as I remember - and don't forget this is a long time ago now - I had it planned out in some detail how it would all turn out. Generally I plan my books in great detail.
Inside the forum was a discussion about the crisis energy and its background.
Was it a means to an end which would be some kind of techno bubble or was it a try of some deeper metaphorical issue? If you would approve a metaphorical layer is the Crisis energy more a state in which things are or a measurable energy? Is it the unification of seemingly opposed things within a dialectic process? Is it Ying and Yang as a source of energy?
China: Yes. :)
The point is that, like most things in fantastic literature, it is both a literalised piece of invented science, and is also metaphorical. Metaphorically, I was interested in literalising a kind of dialectical process (and this is why I don't see it as Yin and Yang, which to my understanding is about balance rather than crisis). So it's a way of thinking about dialectical energy, but that doesn't mean it's 'really' a metaphor - it's both metaphoric and, in the world of Bas-Lag, literally true.
Did you first develop maps of Bas-Lag or did you start to write the novels?
China: Maps first, then the stories.
Who would be your favourite director of a potential PSS movie?
China: I don't know. Maybe Cronenberg? Maybe Svankmajer? Maybe del Toro? Maybe someone new completely?
Would you prefer a pure CGI movie like FINAL FANTASY or SHRECK for creating the world of Bas-Lag?
China: No absolutely not. I don't like CGI, I think it is grossly overused, and often looks rubbish - plasticky, weightless, cheap. I don't mind CGI being used to tweak things and clean up edges, but I'm heartily sick of its overuse.
Questions about THE SCAR:
Why is Bellis so obsessed to come back to New Crobuzon, which she has just escaped from? Could you please explain why Bellis is such a passive person within the story in the face of such huge crises all around her? Why does she seem so frigid and reserved? Why do we get to know so less about her inner life and her motivations?
China: She wants to come back to NC because she loves it. She had to escape it, but that doesn't mean she wanted to. She's a creature of the city.
And I'm afraid no, I can't explain why she is the way she is (though I would add that I don't see her as 'passive', but rather 'contained')! There are plenty of people in the real world whose characters are somewhat opaque - there's no reason it shouldn't be the same for characters in fiction. My job's to describe an invented character, rather than to psychologise her. Of course if she seems unbelievable to readers then I haven't done my job well, and I can only apologise, but the book attempts to depict her as a realistic, if perhaps rather mysterious person. You are of course right that we don't get to know so much about her motivations... but of course if I'd wanted to tell the reader about her motivations, I would have done so! So I'm not going to start now...
Sorry if that's annoying! Everything i wanted to tell the reader is there in the book.
Questions about IRON COUNCIL:
Especially as a gay man I am always thrilled about gay protagonists in a phantastic novel but in IRON COUNCIL I didn’t understand the relevance of cutters homosexuality because it had no meaning to the storyline itself. Could you please tell us what you motivation was to make a gay person to one of the main characters?
China: I think it a shame that the homosexuality of characters always has to be what a book is 'about'. I wanted Iron Council to be a love story, but the two characters were emerging in my head as both male, which meant that to have them in love, they were going to be gay. That's the order of the events, not starting by deciding I wanted a gay character. Of course having realised that they'd be gay, I wasnt' going to pretend that that wouldn't have ramifications in that world, but it was never supposed to be *about* homosexuality. Just to feature two gay characters. Or to be more exact, one gay character, and one sort of abstractly polysexual character.
In opposite to PSS the metaphorical layer of IC can’t be ignored. Did you try very conscious to write a political phantastic novel? We discussed within the forum if and how the psychological depth of the characters are receded of the metaphorical layer.
China: It was absolutely intended to be a deliberately political fantasy novel. I still wanted the characters to be psychologically believable, however, and the world to be literally believable. But yes, the politics were central.
IC seems to be written by a disillusioned Berthold Brecht on LSD.
China: This may be my favourite description ever!
The political and metaphorical layer seems to create some kind of distance to the characters which reminds on Brechts "Verfremdungseffekt" in which the spectator should get in distance to the characters on stage to see their mistakes and to get the chance to make it better. How conscious did you develop and use this effect?
China: I didn't want to distance to the extent of making the world unbelievable. But I was interested in the Brechtian technique, which was why the Flexible Puppet Theatre use Brechtian techniques. So I guess I'd say it was less Brechtian than meta-Brechtian.
Do you see the capture of the iron council in the time golem as a metaphor for the state of the socialist ideas today? Did the socialist ideas become a historical monument? How can you deal with this as a socialist?
China: The idea wasn't to depict socialism as a monument, so much as to conceive as that kind of hope as 'always-already there'. permanently immanent in the everyday.
Other questions:
How do work? How many hours do you write per diem? Do you have to discipline yourself to sit down and write? Do you use a PC or a Laptop?
China: I use a Mac laptop. On the days when I'm writing - which isn't every single day, because it never works out that way - I write many hours. I often get up very early and write for 12 or more hours in a day. I might do that for a couple of weeks or so, then spend several days doing other stuff and not writing at all. So it's very intense, but very patchy.
In how many languages have your novels been translated yet?
China: I can't remember (I'm so stupid about stuff like that)! But quite a few.
Do you have favourite German writers and why do you like them?
China: I can't read German so am reliant on work in translation. I really like Walter Moers, because of his imagination and the way his illustrations interact with his text. I also like Gunter Grass, though its many years since I read him.
Have you ever been to Germany? What about the Frankfurter Buchmesse?
China: Unfortunately not, though I'd like to.
A lot of people get the impression our time become more and more insecure and dangerous today. We talk about the clash of cultures between the religious fundamental, traditionalist almost archaic societies and the enlightened, secularised and individualised western societies. Our western societies seems to have sense crisis and the only values with seem to be left are the money and the individualised hedonism which makes us much more insecure by facing societies which are willing to kill themselves for religious and archaic ideas. What do you think about this issue? Do you think religious beliefs should be more protected than other opinions. Can we expect any reflection of such issues in your next works?
China: I think the idea that the west is 'enlightened' is very unpersuasive at the moment, and 'secular' is pretty questionable. I think the mass-murder perpetrated by the west is still mass-murder, and deeply 'unenlightened', and justified by racism, and cultural supremacism, no matter how much it says it's about bringing 'civilisation'.
I don't think religious beliefs should be more protected than other opinions, but I also think that we need to be aware of the way racism sometimes defines religiousness as well as ethnicity as part of what it despises, and therefore attacks on 'religion' are, depending on the time and the religion attacked, sometimes part of a more specific racist attack. In the 1930s, antisemitism would have made all sorts of claims about the evils of Jewish belief - that wasn't just an abstract critique of religion, it was part of a campaign of vilification. I think that's what we're seeing against Islam now. Of course that doesn't mean *agreeing* with aspects of Islamic teaching (though like all religions most of the edicts are disputed within the faith community), but it means not standing by for the demonisation of muslims - or any other group.
I also think that the notion, perpetrated by people such as dawkins, that religiosity is a kind of *intellectual error*, is quite wrong-headed. I think religion is a social and political phenomenon as well as an intellectual and emotional one, and so arguing against it on the grounds that its 'intellectually wrong' will get you nowhere. That's why all the arguments about how foolish creationism is can't make sense of why non-stupid people (and not all fundamentalists are stupid) believe creationism. For that you need a political understanding of religion.
At the moment every Miéville fan is talking about the DETAILS movie. Do you have a voice in the script or the movie? Will the movie be very different from the story? Some months ago I heard the rumour that a KING RAT movie is under way. Could we expect any other movie based on a Miéville story in the next years?
China: I can express my opinion at the script, but I have no final say. King Rat is under discussion, and I keep my fingers crossed. As to everything else, there are discussions, but nothign very final. I don't like talking in any detail about this stuff as it's such a world of rumour, counterrumour, event and non-event! I'll keep my mouth mostly shut until it either definitively happens or definitively doesn't.
Questions of Molosovsky:
I love it, when authors play with language and sound, as you do with
>> your ›culture shock‹-strategy to prevent readers feeling too
>> comfortable and being lullabyed. Regarding language you do this by
>> using neologisms and unexpected foreign expressions. German is my
>> native langguage, and it was always hugly funny for me how german words
>> like ›blitzbaum‹, ›luftgeists‹ oder ›inselberg‹ popped out of the text.
>> ›Ersatz‹ is the german expression you use the most in the Bas-Lag
>> novells.
>> Can you tell us something about your usage of exotic words
>> (maybe especially about the german expressions)?.
China: There's not much to tell, really! I just like neologisms, and put them together from various languages, until i find the ones that feel right. I wish I spoke German (I intend to try to learn it when I have the time) as I love the sound of it, and so the worlds like luftgeist that you point out where chosen because of their euphony. Ersatz, by the way, though a German word, is also used in English. As with a lot of our vocabulary, we cheerfully stole it.
I have dictionaries of English to Polish, greek, Latin, German, French, and I pilfer words as and when, precisely to try to create that culture shock you talk about.
There is always a big plot turn in the last chapters of your
Bas-Lag books. In a sense, you follow a good old subversive tradition
by misleading the reader over the majpor course of the narration. Then
in the finale, there comes a suprising shift of perspective, theme or
unexpectet turn of events. — Were these ›syncopic turns‹ among the
first conceptual things, when you draftet the ›anti-trilogy‹? Can you
tell us something about this aspect of your work, If it is not too
spoiler-endangerd?
China: To be honest those points weren't drafted in advance in that way, because what I start with is the setting, and a couple of key scenes, and then work out the innards of the plot at the end. I don't *set out* to have a sudden shift at the end per se, but I do come out of a pulp tradition so like those narrative twists and turns, of which that's an example.
LONDON: What is the most good/bad thing about living in London, about being a Londoner? For example: Does living in this ›global city‹ make you feel proud/lucky or ashamed/doomed (sometimes)?
China: Above all I like how London is a patchwork - of all things, architecture, culture, politics, etc. Unlike, for example, Paris, London isn't the triumph of a particular aesthetic, but a chaos, and I love that. I'm neither proud nor ashamed - I didn't do it! I am lucky, however.
NON FICTION: »Between Equal Rights« was a difficult but thrilling read for me. Do you intend to publish further non-fiction books?
China: Absolutely. I have several ideas - two in particular that I want to pursue. But it's a question of finding time. There will be more, however. I'm delighted you enjoyed the book, by the way - more people than I had imagined seem to have read it.
RECOMMENDATIONS / INSPIRING EXAMPLES: In the ›Crooked Timber‹ seminar and the interview with Lou Anders for ›The Believer‹ you muse about the ›Holy Grail of fiction‹. QUOTE: »So my aim would be precisely to write the ripping yarn that is also sociologically serious and stylistically avant-garde.« UNQUOTE
Huzzar to that. — Fans are always eager to get recommendations from their maestro. (Btw: Thanks for your list of »50 F & SF Books a Socialist Should Read«. Very inspiring! Cool stuff!)
Please, can you give us three recommendations (favorite artists/works) for each value?
a) ripping yarn:
China: Hmmmm. OK, Walter Moers, '13 1/2 Lives of Captain Bluebear'
b) sociologically serious:
China: 'Heart of Darkness', Conrad.
c) stylistically avant-garde:
China: 'Cyclonopedia', by Reza Negarestani (it's not out yet, it's forthcoming).
And since you are also a non-fiction author, can you
d) name us three non-fiction books that you hold dear?
China: 'Against Postmodernism' - Alex Callinicos. 'From Apology to Utopia' - Martti Koskenniemi. 'Law and Marxism' - Evgeny Pashukanis.
THE GAY THING / SEX / LOVE:
We are having a discussion about Cutter and Judah, ›the lovers‹ in IRON COUNCIL. Rutger/Seblon is wondering about your reasons for going with a homosexual couple, whereas it makes perfect sense for me, that you blend together the dyadic tensions of ›the master & the adept‹- with that of the ›the lover & the beloved‹-realtionship. I appreciated it as a clever and thoughtful riff on the topic about the differnces between ›physical love‹ and ›platonic love.‹ — Can you give a helpfull comment on that?
China: Oh lord. I don't know... I'm not a hundred percent sure I understand, but if I do, you're right to the extent that the tragedy is that Cutter loves Judah and Judah loves Cutter in very different ways. Cutter passionately, emotionally and sexually loves Judah. Judah is too abstracted, too messianic, to love Cutter *concretely*, in any way. It's not exactly platonic, but it is abstract.
GEEKING OUT / VEGGING OUT: Since you praise Neal Stephenson I hope you don't mind, when I use a quote from him to launch a question. In an essay about STAR WARS Stephenson referrs to the difference of ›geeking out‹ and ›vegging out‹.(»Now we take the Jedi geeks offline« in Harald Tribune, June 18 2005)
QUOTE: Modern English has given us two terms we need to explain this phenomenon: »geeking out« and »vegging out.«
To geek out on something means to immerse yourself in its details to an extent that is distinctly abnormal – and to have a good time doing it. To veg out, by contrast, means to enter a passive state and allow sounds and images to wash over you without troubling yourself too much about what it all means. UNQUOTE
In Really Old School terms, this is somewhat a rephrasing of the antique distinction between ›homeopathic‹ and ›allotopic‹ catharsis. However these two ›flavours‹ are named: For us fans its obvious that your fiction provides both attitudes splendetly. — So, what is more fullfilling or satisfying for you (as a person / as an artist / as an activist, if there is a differnce): an audience that's geeking out or one that's vegging out?
China: Blimey. What an amazing question. I think overall i tend to prepare geeking out to vegging out. Though I'm certainly not averse to a bit of vegging occasionally, but I like being alienated, being a bit shocked, displaced, and I think that tends to be a bit uncomfortable, in a good way, and vegging is probably sort of pro-comfortable. Which is fine! But I prefer the former.
Question of Theophagos:
The unavoidable New Weird: The discussion happened about three years ago. Would you say in retrospect, that the discussion brought light into darkness? What is your judgement about the current state? You are working at the moment on a 'pure' SF-Story. Will you return to the New Weird or is that moment passé?
China: I promised once in print that I would no longer talk about New Weird, because I felt like it was becoming a self-parody. If I answer this question you're going to make me a liar! I don't want to be a liar, so I hope you'll forgive me. All I'll say is that I never ever, nor would I, chose what to write on the basis of whether or not it was 'New Weird' or anything else. I write what I want, then think about how to think about and describe it later.
Your new novel: The title of your doctoral thesis is: "Between Equal Rights: A Marxist Theory Of International Law" and your article "What’s the point of international law?" was just published. It seems as if this subject is important to you. Now you write a story about humans meeting aliens. Will you reflect therein the basics of international law? Will you make the political/law system of the aliens a subject? If so, will these systems be oriented to historical ones or will they be differing from them?
China: Law is interesting to me primarily as it's viral, and reflects underlying social dynamics, which strike me as even more interesting. Lots of my fiction reflects on such underlying dynamics, of which law may or may not be a reflection. You can see how I'll duck the specifics of this question about the new novel, I'm afraid, because I don't like talking about work in progress.
Just because I'm curious: Who is the grandfather of Yagharek – Vishnu or Borges?
China: The Monster Manual in Dungeons and Dragons.
The unloved postmodernism: In the course of the discussion about the New Weird, you dissociated yourself from postmodern narrative methods. Do you think that these methods are generally inferior? Or only with the use of Fantasy or New Weird?
China: I have no intrinsic objection to any of these techniques per se, and have in fact used certain 'metafictional' techniques myself. I love Borges, I love Tristram Shandy, etc etc. So I'm not *against* these techniques. I just think that their radicalism has become overstated, and that the notion that 'sophistication' or 'avant-garde-ness' inheres in self-reflective fiction is very narrow. I think if you see for example the rather tired reiteration of such metafictional 'irony' and self-reflection in recent Paul Auster, for example, you see these techniques cannibalising themselves. My problem is that these techniques have become cliches, but still seem to think they are intrinsically radical. Chaucer was doing them! So no, not intrinsically inferior in any generic context, but not intrinsically superior either, and particularly uninteresting in their simplistic crudest iterations.
A very simple question: What are you reading at the moment? Why have you decided to read it?
'The Amphibian' by Alexandar Belyaev, because I'm interested in Russian SF.
Which question should have been asked, but wasn't (and what would be the answer)?
'What medium haven't you worked in that you'd particularly like to?' Answer: I'd love to create video-games. Not the coding, obviously, but scripting the architecture of the gameplay.
We thank China Miéville for his efforts!!
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