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Soviel weiß ich...
Miéville im Gespräch mit Tom Templeton, November 2004 für den Observer
Hippies nannten sich selbst nicht Hippies, sondern „Heads“. Meine Eltern waren „Heads“.
Mein Vater betrieb einen „Head“-Buchladen in Norwich mit so Zeugs, wie „Black Dwarf“ von Walter Scott, „Dem Zauberer von Oz“, Lyrik von Dissidenten oder Hippie-Pornos und anderen Werken dieser Art. Es wurde später mit einer netten Zeremonie geschlossen.
Auf der Suche nach einem schönen Namen durchsuchten meine Eltern das Lexikon und ihre Wahl wäre fast auf Banyan (engl.: bengalische Feige) gefallen, allerdings blätterten sie weiter und kamen zu China, das sich im Cockney auf „Kumpel“ reimt. Man warf ihnen vor, die Sängerin Grace Slick nachzuahmen, deren Tochter China einige Monate älter war als ich. Witzigerweise nannte Grace Slick ihre Tochter eigentlich erst „God“ und benannte sie erst später, nach meiner Geburt, in „China“ um.
Ich kann mich noch an den Tag erinnern, als jemand auf dem Spielplatz bemerkte, dass sich China auf Vagina reimt. Ich wurde gnadenlos aufgezogen, aber ich liebte meinen Namen. Das einzige, was ich wollte war, dass sie aufhörten mich aufzuziehen.
Meine erste große Liebe war Purity Brown, die sehr coole menschliche Partnerin von Nemesis, dem Hexer aus den 2000 AD-Comics. Sie war eine quirlige, den Bösewichten in den Arsch tretende Heldin, nett in apokalyptischem Chic aus Leder gekleidet, drapiert mit Strapsen und Waffen.
Eine Menge Kinder lesen Bücher über Dinosaurier, Seeungeheuer, Drachen, Hexen, Aliens und Roboter. Letztendlich haben Erwachsene, die SF, Fantasy und Horror lesen, vermutlich nie die Faszination am Fremdartigen und Verrückten hinter sich gelassen.
Ich stehe auf Monster. Meine Lieblings-Monster sind die Tiermenschen bei „Die Insel des Dr. Moreau“ von H.G. Wells. Ich liebe die Tintenfisch-Ungeheuer und Schweine-Kreaturen von William Hope Hodgson. Ich bin ein Fan von Schweine-Monstern. Ebenso mochte ich schon immer Ungeheuer aus der Tiefe, die aus dem Dunkel des Wassers an die Oberfläche kommen, wie z.B. „The Creature from the Black Lagoon“ von Jack Arnold.
Es gibt ein Zeichnung von Beatrix Potters Frosch-Helden „Jeremy Fisher“, auf dem eine Forelle auf dem Weg ist, in den Zeh des Frosches zu beißen. Absolut gruselig.
Phantastische Literatur besteht ja aus Fantasy, Horror und Science Fiction und bekommt einfach nicht die Aufmerksamkeit der Literaten, die sie verdient. Ich stimme mit Theodore Sturgeons Regel überein, dass 90% der phantastischen Literatur Müll ist und ebenso 90% von allem anderen.
Das Merkwürdigste, was mir je passiert ist, geschah im Hyde Park. Dort fiel mir eine Menschenmenge auf, in die ich mich aus Neugier einreihte und für die nächsten zehn Minuten standen wir geschockt und fasziniert dort, und schauten einem Pelikan zu, der eine Taube verspeiste.
Weil ich ein kompletter Kontrollfreak bin, habe ich bis ich 29 war, völlig enthaltsam gelebt und keinerlei Drogen ausprobiert. Nicht mal Dope. Ich vertrage auch überhaupt nichts: anderthalb Gläser Wein und ich bin betrunken.
Ich hatte immer die Paranoia, dass mir jemand meine Ohrringe ausreißen und meine Ohren dabei verletzen könnte, deshalb trug ich immer Ohrringe, die sich leicht von selbst öffneten. Dann vor drei Jahren riss mir ein Kerl während einer politischen Diskussion tatsächlich die Ohrringe heraus. Die eine Hälfte von mir dachte, „Was zum Teufel, fällt dem Typen ein?!“, die andere „Ich wusste, dass das passiert“
Ich verurteile keine Autoren wegen ihrer politischen Überzeugung. Jeffrey Archer hat eine furchtbare politische Einstellung und ist zudem ein miserabler Autor. Louis-Ferdinand Céline hatte ebenfalls eine untragbare politische Einstellung, war aber eine hervorragender Schriftsteller.
Dass ich, als ich mich für die Socialist Alliance zur Wahl aufstellen ließ, der „sexieste Mann in der Politik“ betitelt wurde, war ein leicht zu tragendes Kreuz. Aber wer war denn auch schon die Konkurrenz? Paddy Ashdown?
Es gibt ein Zitat von Antonio Gramsci, dass sich zwar hochtrabend anhört, mich aber seit langem begleitet: „ Die Tatsache, dass niemand heutzutage verhungern müsste, aber dass immer noch Menschen an Hunger sterben, müsste in seiner Wichtigkeit jeden beschäftigen“
Eine Menge stubenhockende Streber sind blass, bebrillt, tragen dunkle Klamotten und kriegen nicht sonderlich viel geregelt – diese Klischees existieren, weil sie oft wahr sind. Ich könnte als das Gegenteil eines stubenhockenden Strebers durchgehen, aber das wäre eine ziemlich ungenaue Beobachtung meiner Person.
Übersetzt von Seblon
Quelle
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